Hallo und herzlich willkommen zum Test von Gears of War: E-Day. Entwickelt wurde der Shooter von The Coalition, veröffentlicht von Xbox Game Studios. Erschienen ist er am 6. Oktober 2026 für Windows, bei Steam kostet er aktuell 69,99€.
Mit an Bord war bei der Entwicklung außerdem People Can Fly. E-Day ist der sechste Hauptteil der Reihe und ein Prequel, das 14 Jahre vor dem ersten Gears of War spielt.
Wichtig vorab: Das Spiel selbst habe ich nicht direkt als Rezensionsexemplar bekommen. Mir wurde freundlicherweise ein Xbox Game Pass Ultimate Key von der Presseabteilung von Microsoft zur Verfügung gestellt, damit ich E-Day spielen konnte. Gespielt habe ich auf dem PC mit recht hohen Einstellungen und mit angeschlossenem Controller. In diesem Test geht es ausschließlich um die Kampagne. Die Spielzeit lag bei rund 10 bis 12 Stunden.
Warum ist das Ganze spannend? Weil E-Day den Emergence Day erzählt, die brutale Origin-Story der Reihe. Und weil sich das Spiel ein bisschen anders anfühlt als die klassischen Teile.
Story mit Ruhe vor dem Sturm bevor die Katastrophe beginnt
Wir spielen in Kalona, einer wohlhabenden Küstenstadt auf dem Planeten Sera, den wir aus der Reihe ja schon kennen. Es herrscht so etwas wie globaler Frieden. Nach den Kriegen gedenkt man den Gefallenen und ruht sich ein bisschen aus. Und genau dann, wenn niemand damit rechnet, kommt die Katastrophe. Ohne jede Vorwarnung brechen die Locust aus dem Erdboden hervor, der Emergence Day beginnt.
Marcus und Dom rutschen mit dem Rest der Truppe Schritt für Schritt in dieses Szenario hinein. Genau das ist für mich der Reiz der Geschichte. Wir sehen, wie aus Zivilisten die harten Gears-Kämpfer werden. Besonders die kumpelhafte Beziehung zwischen Marcus und Dom entwickelt sich hier nachvollziehbar, und das hat mir verdammt gut gefallen.
Dazu passt, dass Marcus und Dom wieder von John DiMaggio und Carlos Ferro gesprochen werden, die die beiden seit dem ersten Gears of War vertonen. Als zwei neue spielbare Figuren kommen Mags Carter und Lucas Reyes dazu. Das Studio wollte die Atmosphäre und den emotionalen Ton des ersten Teils wieder einfangen, vor allem Brüderlichkeit, Brutalität und Tragik des Emergence Day.
Dazu kommt die Inszenierung. Die Übergänge zwischen Zwischensequenzen und Gameplay sind nahezu nahtlos, das Pacing stimmt, und es bleibt durchgehend spannend. Die Stimmung ist fast schon gruselig, passend zum Setting. Die Locust wirken beim ersten Aufeinandertreffen wieder wie echte Schreckenskreaturen. In den späteren Teilen heißt es eher "Kennen wir, hauen wir weg", hier verbreiten sie tatsächlich wieder Angst, gerade wenn Kreaturen auftauchen, die wir seit Jahren kennen.
Spoiler gibt es von mir keine. Nur so viel: Die Geschichte ist als Auftakt einer Trilogie gedacht, und das merkt man.
Story: 8/ 10
Mehr Freiheit, mehr Tempo, mehr Gears
Kommen wir zum Kern. Das Gameplay ist deutlich lockerer und nicht mehr so starr wie früher. Es gibt Sprünge und schnelleres Sprinten, und allgemein läuft alles flüssiger. Ich kann zum Beispiel auf einen Bus klettern, mich dort in Sicherheit bringen oder in Deckung gehen und von da die Gegner angreifen. Dadurch wird alles vertikaler und dynamischer, und das passt zum neuen Movement. Granaten müssen wir außerdem gezielt in die Löcher werfen, aus denen die Locust herauskommen.
Auch die Welt ist anders. Es gibt weiterhin einen roten Faden, aber die Level sind nicht mehr so extrem schlauchig. Gerade in den ersten Kapiteln in der Stadt sind die Gebiete offener. Eine Open World ist es natürlich nicht, die Areale sind schon klar abgesteckt, aber sie sind größer als in Gears 1 bis 3. Auch die Schlachtfelder sind diesmal weitläufiger.
Neu ist die Karte mit Zielen, aufgeteilt in Hauptziele und Sekundärziele, dazu Sammelobjekte. In Versorgungskoffern finden wir permanente Mods, mit denen wir zum Beispiel schneller schießen oder präziser zielen. Die Mods rüsten wir an Versorgungsstationen aus, für Waffen, Panzerung und taktische Ausrüstung. Mit der Zeit gibt es mehr Modslots, teilweise schalten wir sie über Sekundärziele frei. Eine taktische Ausrüstung ist eine Drohne, mit der wir die Locust für kurze Zeit aufspüren, danach gibt es einen Cooldown. Ganz coole Geschichte, muss ich sagen.
Und wenn ich mal die Orientierung verliere, scannt ein Knopfdruck, bei mir war es L1 auf dem Controller, Ziele in der Nähe. Ein kleines, praktisches Feature.
Braucht man das alles? Ehrlich gesagt, nein. Auf normalem Schwierigkeitsgrad spielt es keine große Rolle, auf den höheren wird es vielleicht interessanter. Die Sekundärziele liefern vor allem kleine Sidequests abseits des Hauptwegs und die Slots. Wer das klassische Gears-Erlebnis will, kann das einfach ignorieren. Ich habe mich trotzdem immer wieder dabei ertappt, wie ich dachte: "Da ist eine Kiste in der Nähe, die muss ich jetzt finden." Es lohnt sich auch, vom Hauptweg abzuweichen, denn dort liegen Sammelobjekte und Munition, die man brauchen kann. Die Gegner sind nämlich sehr zahlreich.
Zur Einordnung: Die Kampagne lässt sich online zu viert im Koop spielen. Außerdem kehrt das Active-Reload-System mit überarbeiteter Oberfläche zurück. Im Mehrspielerbereich gibt es Versus-Matches in 4 gegen 4 und den neuen Zwölf-Spieler-Koop-Modus Horde Siege. Das alles ist nicht Teil meines Tests, ich bleibe wie gesagt bei der Kampagne.
Doch was fehlt noch? Kritik, klar. Die Struktur ist nach den ersten paar Stunden sehr offensichtlich: ein bisschen Story, Zwischensequenz, durch das Gebiet laufen, etwas einsammeln, Kampf gegen die Locust, und von vorn. Dazu kommt, dass es kaum neue Gegner gibt. Ab etwa Kapitel 3 habe ich eigentlich alle gesehen. Das kann stören, wenn man schon länger im Gears-Universum unterwegs ist. Es geht aber um die Anfänge der Reihe, da können die Entwickler nicht einfach neue Kreaturen aus dem Hut zaubern. Das sollte einem nur bewusst sein.
Auch das Setting hat seine Grenzen. Die ersten beiden Kapitel in der Stadt wurden mir vom Tempo her ein bisschen langatmig. Da hätte man gern schneller in die Untergrundtunnel wechseln können, und und und. Es gibt eben keine Wüste, keinen Dschungel und keinen Schnee wie in Gears 5, sondern hauptsächlich Stadt und Tunnel. Das wird schnell monoton, auch wenn die Kampfplätze selbst genug Abwechslung bieten. Das ist aber vollkommen okay, weil es zum Emergence-Day-Setting gehört.
Gameplay: 8/ 10 (doppelt gewichtet)
RTX, Rauch und pure Zerstörung
Hier ist E-Day auf einem sehr hohen Niveau, und das sage ich als jemand, der die PC-Version gespielt hat. Beleuchtung, Schatten und Partikeleffekte sind absolute Highlights. Spiegelungen wirken sehr realistisch, die Charaktermodelle sind detailreich und nah am Fotorealismus, und die Animationen sind sauber, besonders bei den Bewegungen. RTX läuft super, in Kombination mit HDR gibt es schöne, kontrastreiche Lichteffekte und Schatten.
Das Spiel setzt auf Hardware-Lumen beziehungsweise Hardware-Raytracing. Ein Highlight sind die Megalights. Damit lassen sich über 100 dynamische Lichtquellen gleichzeitig mit physikalisch korrekten Echtzeitschatten darstellen. Das merkt man vor allem, wenn es dunkel und düster wird. Du siehst zum Beispiel einen Krankenwagen und achtest plötzlich nur noch auf die Beleuchtung. Das ermöglicht gerade am Anfang und in den dunklen Passagen diesen extrem detaillierten Horror-Look mit Mündungsfeuer, Explosionen und Taschenlampen.
Ein bisschen Hintergrund dazu: Laut The Coalition wurde E-Day komplett neu in der Unreal Engine 5 aufgebaut. Megalights kam mit Unreal Engine 5.7 und erlaubt laut Studio hunderte schattenwerfende Lichtquellen, auf der Xbox Series X mit 60 Bildern pro Sekunde.
Die Framerate blieb bei meiner 5060ti in der 16GB Variante zudem recht stabil und ich kote stets über 90fps genießen.
Technik/Grafik: 10/ 10 (doppelt gewichtet)
Kettensägen, Explosionen und Kriegschaos
Zum Sound kurz und knapp: Er ist wenig überraschend sehr brachial. Die Effekte sind knackig, die Explosionen ebenso. Waffen und Kettensägen klingen realistisch. Das passt nahtlos zum Rest und trägt zur Atmosphäre bei.
Einen riesigen Banger-Soundtrack dürft ihr aber nicht erwarten. Das ist das übliche Action-Blockbuster-Gefiedel im Hintergrund. Ist okay, aber nichts, was hängen bleibt.
Die Sprachausgabe bietet in der deutschen Fassung die Qualität, die man seit über eiem Jahrzeht vom Franchise gewohnt ist und fällt sehr positiv auf.
Sound: 7/ 10
Das Gears-Comeback, auf das Fans gewartet haben
Mit Gears of War: E-Day besinnt sich die Reihe auf ihre größten Stärken und liefert eine packende Origin-Story rund um den Emergence Day. Die gelungene Atmosphäre, die starke Dynamik zwischen Marcus und Dom sowie das modernisierte Gameplay sorgen für ein frisches, aber dennoch vertrautes Gears-Gefühl.
Zwar bremsen die überschaubare Gegner- und Umgebungsvielfalt sowie die stellenweise vorhersehbare Missionsstruktur den Spielspaß etwas aus, doch die beeindruckende Technik, die dichte Inszenierung und die wuchtige Action machen E-Day zu einem der besten Serienteile seit Jahren. Ein starker Auftakt für die neue Trilogie und eine klare Empfehlung für Gears-Fans.
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